Mitarbeiter Blogs schädigen das Image…

Seitdem Weblogs in den deutschen Internetalltag Einzug gehalten haben, werden sie auch von Unternehmen genutzt. In der ersten Zeit als Marketingplattform für Unternehmensmarke oder Produkte, als weiterer Informationskanal für Neuigkeiten und zur Unterstützung der klassischen PR. Doch nach und nach sind die Unternehmen mutiger geworden und lassen auch Mitarbeiter selbst zu Wort kommen. Sie gewähren so einen direkten und echten Einblick in den Arbeitsalltag, vom Praktikanten bis zum Professional. Diese neue Offenheit lässt sich hervorragend für Employer Branding Strategien einsetzen!
Bevor sie sich mit Aufbau und Inhalten eines gelungenen Corporate- oder Mitarbeiterblogs befassen, sollten Sie einen kurzen Blick auf die Nutzergruppen von Blogs im Allgemeinen werfen.
Fast alle Internetnutzer kennen Blogs und fast die Hälfte nutzt Blogs zur gezielten Informationsbeschaffung, jeder Siebte macht das mindestens einmal pro Woche. Blogs werden von Männern und Frauen ziemlich gleichwertig genutzt, der Männeranteil überwiegt geringfügig. Ebenfalls ähnlich zum Gesamtnutzerprofil des Internets ist die Altersstruktur der Blognutzer, gut ein Drittel ist jünger als 30 Jahre, ein Fünftel ist noch in der Ausbildung und alle Blognutzer sind mit 20 Stunden pro Woche überdurchschnittlich lange online. Soweit zu den passiven Nutzern der Blogs. Auf der aktiven Seite sieht es anders aus. Gut 95 Prozent der eingerichteten Blogs liegen brach, es werden kaum oder gar keine neuen Beiträge veröffentlicht und nur vier Prozent der Blogger aktualisieren Ihr Onlineangebot mindestens ein Mal pro Woche. Am stärksten sind Beiträge zu den Themen Computer, Internet, Nachrichten und Unterhaltung belegt. (quelle: w3b.org)
Wer schreibt? Und wie?
Betrachtet man dieses Gesamtbild, sieht man umso deutlicher die Chancen eines regelmäßig gepflegten Employee-Blogs mit interessanten und aktuellen Beiträgen. Hier ist es aufgrund der jungen Leserschaft sinnvoll, vor allem Schüler, Studenten und Absolventen anzusprechen. Das geschieht am einfachsten, indem man Praktikanten, Trainees und Young Professionals im Blog zu Wort kommen lässt - in ihrer eigenen Ausdrucksweise und mit selbst gesetztem Schwerpunkt in den einzelnen Beiträgen. So finden Sie als Unternehmen sowohl inhaltlichen als auch sprachlichen Zugang zur Zielgruppe!
Gut funktionierende Mitarbeiterblogs bieten übrigens eine Aktualisierungsrate zwischen zwei und fünf Beiträgen pro Monat. Das ist eine überschaubare Menge, die durchaus neben der "normalen" Arbeit zu schaffen ist. Zudem kümmern sich auch stets mehrere Autorinnen und Autoren um einen Blog. So veröffentlicht eine Person ein oder zwei Artikel pro Monat, was dann neben dem geringen Zeitaufwand auch einen weiteren Vorteil hat: In dieser Zeitspanne passiert genügend Neues und Erwähnenswertes im Berufsalltag, was für abwechslungsreiche Themen sorgt und das Schreiben erleichtert.
Es exisiteren bereites eine ganze Reihe gut gemachter Mitarbeiterblogs großer Unternehmen. Dazu gehören zum Beispiel der "accenture Recruiting Blog", der "Bosch Trainee Blog", Studentenblogs von Bertelsmann, drei separate Blogs von Fraport für Trainees, Auszubildende und Praktikanten und noch einige mehr. (Die komplette kommentierte Linkliste finden Sie Am Ende dieses Beitrags im Bereich Fundgrube). Der älteste der genannten Blogs wurde Ende 2006 gestartet, der neueste ist seit Anfang 2009 online. Zielgruppenspezifische Mitarbeiterblogs sind ein noch relativ neues Feld, in dem sich ein Unternehmen gut eine Marktlücke zur eigenen, wiedererkennbaren Positionierung suchen bzw. erarbeiten kann.
Vergleicht man einige der etablierten und interessant gestalteten Mitarbeiterblogs miteinander, fallen Gemeinsamkeiten auf, die zum Erfolg geführt haben:
- Ein Startbeitrag stellt den Blog vor, erklärt, worum es inhaltlich gehen wird, wer sich angesprochen fühlen mag und wer demnächst berichten wird.
- Möglichst kurz darauf folgen die ersten echten redaktionellen Beiträge.
- Wirklicher Lesespaß kommt auf, wenn die Artikel der Autoren nicht zu stark redigiert sind, nicht zu konform zur Unternehmenssprache ausfallen. Das macht den Stil lebendig und vor allem authentisch.
- Von Vorteil und sehr sympathisch sind Autorenbilder, die jeweils zu Beginn neben der Headline eines Beitrags angezeigt sind. Leser fühlen sich persönlich angesprochen, man „lernt sein Gegenüber kennen“; zudem ist es durch den optischen Wiedererkennungswert auch einfacher, einzelne Bloggeschichten zu verfolgen.
- Ebenso positiv fallen gut genutzte Kommentarfunktionen in Blogs auf. Das Unternehmen bzw. die Autoren treten in Kommunikation mit den Lesern, Ideen können aufgegriffen werden, Kritik findet einen Adressaten und verschwindet nicht im Nichts der offiziellen Kontakt-Adressen. Natürlich lassen sich Kommentare filtern, aber positive und auch negative Kritik zuzulassen und offen zu kommunizieren macht immer einen guten Eindruck. Eine Chance, die man sich im Zuge eines Mitarbeiterblogs nicht entgehen lassen sollte, da jeder Kommentar und jede Erwiderung darauf persönlich gefärbt, authentisch und direkt ist. Und letztlich die Sichtweise auf die eigene Arbeitgebermarke schärft.
Der Erfolg kommt nicht über Nacht. Man muss vor allem in der Startphase eines Blogs Geduld haben und die Erwartungshaltung anpassen. Ein Mitarbeiterblog eines Unternehmens hat es von Natur aus wesentlich einfacher, im Web gefunden zu werden. Die Zielgruppe ist definiert, die Autoren und Themenbereiche sind geklärt. Lassen Sie dem Projekt nun Zeit, arbeiten Sie kontinuierlich daran, erfassen Sie Statistiken und Kommentare, zeihen Sie Verbesserungen nach und passen Sie Kategorien und Themenbereiche an. Dann können Sie im laufe von ein bis zwei Jahren die Früchte Ihres Aufwandes ernten.
Sie haben sich einen neuen Kommunikationskanal erschlossen, sprechen eine junge Zielgruppe authentisch an, liefern echte, interessante Berichte aus dem Herzen Ihres Unternehmens - und gewinnen so neue motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich sicher sind, dass sie auch wirklich GENAU IN IHREM UNTERNEMHEN arbeiten und Karriere machen möchten. Und vielleicht haben Sie damit auch die nächste Autorengeneration für Ihren Blog gewonnen.
Blogs, die einen Blick lohnen:
accenture
- URL: http://accenturerecruiting.blogspot.com/
- Online: seit November 2006
- Zielgruppe: Interessant für Absolventen
- Aktualität: ca. 2 Beiträge monatlich
- Autoren: Trainees, Young Professionals, Praktikanten
- Inhalte: Tätigkeitsbereiche aus Sicht der Autor/innen vorstellen, Erlebnisberichte und auch Beschreibung des Unternehmens und des Berufsalltags, des Aufgabenbereichs und der Bewerbungs- und Einstellungswege
- URL: http://blog.fraport.de/
- Online: Mitte Juli 2008 wurden alle drei Blogs gestartet
- Zielgruppe: Studenten, Absolventen, Schüler, die ihre Karriere bei Fraport starten möchten
- Aktualität: mehrere Beiträge wöchentlich, über alle Blogs hinweg gesehen, pro Autor ca. zwei Beiträge pro Monat
- Autoren: Trainees, Praktikanten, Auszubildende
- Inhalte: Aufgaben beschreiben, persönlicher Einblick, verschiedene Abteilungen und Bereiche, Aufbau eines Traineejahres, eines Praktikums, authentische Alltagsberichte sowie Fotos, z.B. von Outdoor Teamtraining, Auslandsaufenthalt (Trainee), Ausflügen, Kooperationen, Kurse
- URL: http://www.createyourowncareer.de/Studenten/Stefans-Blog.html
- Online: seit Sommer 2009
- Zielgruppe: für Studenten, die ein Praktikum oder eine Traineestelle bei Bertelsmann suchen, die Blogs sind im Navigationsbereich "Studenten" eingeordnet
- Aktualität: ein bis zwei Beiträge pro Monat, lockere Abstände
- Autoren: Trainees, Werkstudenten, Studenten
- Inhalte: jeder Blog steht für sich, eigener Stil, eigens Thema, eigens Tagebuch, Leser können die jeweilige Person begleiten, an Erlebnissen teilnehmen
- URL: http://salzgitterag-karriere.typepad.com/
- Online: seit März 2007
- Zielgruppe: für Berufseinsteiger, Schüler, Studenten
- Aktualität: alle zwei bis drei Tage ein neuer Beitrag
- Autoren: sowohl von Praktikanten, Mitarbeitern etc. verfasst als auch sachlich gehaltene Nachrichten ohne direkt erkennbaren Verfasser
- Inhalte: Mischung uns Erfahrungs- und Erlebnisberichten und kurzen Teasern; die Berichterstattung wurde begonnen aus Sicht der Personaler, dann mehr und mehr in die Hände von Mitarbeitern übergeben. Im Mittelpunkt stehen Veranstaltungen, die mit Azubis besucht werden, Besonderheiten der Ausbildung, Prkatika, Schülerveranstaltungen, Ausflüge etc.
- URL: https://www.enbw.com/karriereblog/
- Online: seit April 2009
- Zielgruppe: für Trainees und auch alle anderen, die sich eine Stelle in der EnBW vorstellen können
- Aktualität: 90 Beiträge im Jahr geplant, pro Person alle zwei Monate ein Beitrag, insgesamt momentan: ca. drei Einträge pro Monat
- Autoren: Gebloggt wird von 15 Trainees des Jahrgangs 09/10
- Inhalte: 6 Traineephasen, davon eine im Ausland - also wird mit 15*6 = 90 spannenden persönlichen Geschichten gerechnet
- URL: http://absolventenblog.ch/
- Online: seit ca März 2009
- Zielgruppe: für Studierende und Absolventen
- Aktualität: 2 bis 3 Beiträge pro Monat
- Autoren: Mitarbeiter der Jahrgänge '79 bis '83, Young Professionals
- Inhalte: Einblick hinter die Fassade des größten Schweizer Versichereres mit Fotos der Blogger und das ein oder andere Foto aus der Arbeitsumgebung
- URL: http://www.einslive.de/multimedia/videoblog/videoblog_1live_praktikantenblog.jsp
- Online: seit Juli 09
- Zielgruppe: für Schüler, Praktikanten, Studenten
- Aktualität: ca. 5 Beiträge pro Monat
- Inhalte: Der locker gehaltene Videoblog kommt dem Senderimage entsprechend jung und designorientiert daher (YouTube-Style) und gewährt Einblick in die verschiedenen Studios, Redaktionen. Er ist eingebunden in die 1Live Inhalte. Jobangebote werden enbenfalls integriert.


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